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Inspirationskalender

Tag 1

1. INSPIRATIONSTÜRCHEN

Es ist Samstag. Morgen ist der erste Advent. Julia hat noch keine Weihnachtsgeschenke besorgt.Um ehrlich zu sein, hat sie sich noch nicht mal überlegt, was sie ihrer Familie oder ihrer besten Freundin schenken könnte. Wenn es nach ihr ginge, könnte man den Dezember ausfallen lassen – oder ganz behaglich bei Kerzenlicht in den eigenen vier Wänden verbringen. Ein gutes Buch, etwas Musik und heiße Schokolade – mehr braucht Julia eigentlich nicht, um im Winter glücklich zu sein.

Halt. Natürlich ist da noch etwas. Julia schreibt Bücher. Zwei Romane von ihr sind schon im Kleinverlag erschienen. Den dritten hat sie im #NaNoWriMo begonnen und möchte ihn bis Sylvester fertigstellen. Die Handlung ist eine Mischung aus dem, was im ersten und im zweiten Buch bereits gut funktioniert hat und ihren Leserinnen gefiel.

Als sich Julia an ihren Rechner setzt, um das angefangene Dokument fortzusetzen, spürt sie Unbehagen. Das, was sich in den ersten beiden Büchern richtig und schön angefühlt hat, scheint mit einem Mal nur ein Abklatsch alter Träume zu sein. Es passt nicht mehr zu der Frau, die sie heute ist. Eigentlich müsste sie eine ganz andere Geschichte schreiben, ahnt sie.

Aber wovon soll die handeln?

Julia tippt einen Absatz und löscht ihn wieder. Schreibt ihn neu und löscht auch diese Worte. Irgendwie funktioniert es einfach nicht.

Plötzlich hört Julia ein silbriges Klingeln. Als sie sich umdreht, glaubt sie für eine Sekunde, eine Frauengestalt aus Licht und Schatten zu sehen, bevor sie verblasst. “Trau dich”, scheint eine körperlose Stimme zu wispern. In ihr klingen paradiesische Versprechungen von Größe, Höhenflügen und dem Wachstum als Künstlerin mit.

“Was soll ich mich trauen?”

Obwohl niemand antwortet, steht Julia auf und blickt sich suchend um. Leidet sie auf einmal an Halluzinationen?

Auf ihrem Wohnzimmertisch stand vorhin noch ein Adventsgesteck. Jetzt ist es verschwunden. Stattdessen liegt dort ein Adventskalender, der so sehr glitzert und funkelt, dass man das Motiv kaum erkennen kann. Es scheint eine schreibende Frau zu sein, über deren Schulter eine geisterhafte Frau in einem wallenden Gewandt blickt. Die Schreibende wirkt glücklich und beschwingt.

Julia reibt sich über den Kopf. War das eben etwa die leibhaftige Muse? Sie hat immer gedacht, die würde genauso wenig existieren wie der Weihnachtsmann. Aber das Adventsgesteck ist verschwunden. Stattdessen liegt hier dieser Kalender.

Neugierig öffnet sie das erste Türchen und sieht ein Bild mit einem Schriftzug: “Erzähle die Geschichte, die wirklich in Dir brennt.”

Alles klar. Julia schließt die Datei mit dem ungeliebten Fortsetzungsroman und setzt sich aufs Sofa. Wenn die Muse so nachdrücklich danach verlangt, dass sie etwas anderes schreibt, sollte sie ihr wohl gehorchen. Aber wovon könnte die neue Geschichte handeln?

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Horche in Deinen Bauch hinein: Was fällt Dir ein, wenn Du an Feuer denkst? Wofür brennst Du?

Schalte den inneren Kritiker aus und vertraue. Lass den Flow zu und schreibe einfach drauflos, ohne Zensur oder Gedankenkontrolle. Ich bin gespannt, was bei Dir herauskommt!

Schreibe das Ergebnis Deiner fünf Minuten gern in die Kommentare und teile es mit uns!

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem #Inspirationskalender öffnet!

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Meme-Photo by Christopher Burns on Unsplash

Tag 2

2. INSPIRATIONSTÜRCHEN

Am nächsten Tag ärgert sich Julia ein wenig, dass die Muse ihr Adventsgesteck im Tausch gegen den funkelnden Kalender mitgenommen hat. Andererseits … es hat ihr gestern wirklich Spaß gemacht, ohne Ziel oder Verpflichtung einfach draufloszuschreiben. Früher, vor ihrem ersten Buchvertrag, hat sie das oft getan.

Sie zwingt sich, das Türchen für den heutigen Tag nicht sofort zu öffnen, sondern erst in Ruhe zu frühstücken. Ausnahmsweise gibt es Rührei und aufgebackene Tiefkühlcroissants. Als sie satt ist und das Geschirr abgewaschen hat, macht sie sich eine heiße Schokolade in der Mikrowelle.

Der Adventskalender auf dem Wohnzimmertisch funkelt und lockt.

Julia holt einen Hammer und schlägt einen Nagel in die Wand, um den Kalender aufzuhängen. Dann endlich öffnet sie das Türchen für diesen Tag.

“Nimm Dir Zeit zum Träumen!”

Sie grinst. Das passt genau zu ihrer Stimmung! Heute hat sie keine Lust, komplizierte Plots zu bearbeiten oder Romancharaktere zu entwickeln. Sie will einfach auf dem Sofa liegen und die Bilder in sich aufsteigen lassen, zu denen sie gestern den Schlüssel gefunden hat. Deswegen macht sie sich zusätzlich zur heißen Schokolade eine Wärmflasche und holt ihre Lieblingsdecke, um sich einzukuscheln.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Schließe die Augen und erlaube Dir, zu träumen. Das, was Du für möglich hältst, ist garantiert viel kleiner als das, was das Leben Dir tatsächlich anbietet. Dann öffne die Augen und schreibe einfach drauflos. Es ist egal, wie groß oder klein Deine Träume sind! Wichtig ist, dass sie ganz tief aus Deinem Bauch aufsteigen.

Schreibe das Ergebnis Deiner fünf Minuten gern in die Kommentare und teile es mit uns!

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem #Inspirationskalender öffnet!

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Meme-Photo by Indian Yogi (Yogi Madhav) on Unsplash

Tag 3

3. INSPIRATIONSTÜRCHEN

Am Montagmorgen hat Julia keine Lust, auf die Arbeit zu gehen. Sie ist von Natur aus Langschläferin. In der perfekten Welt ihrer Träume ist sie als Schriftstellerin erfolgreich genug, um den ganzen Tag nichts anderes zu tun als zu schreiben und in der Badewanne zu liegen. Das einzige, was noch dazukommt, ist ein regelmäßiger Cocktailabend mit ihren Freundinnen.

Irgendwie bringt sie den Tag hinter sich. Eigentlich will sie nur träumen, genau wie gestern. Dazu kommt sie normalerweise viel zu selten. Zum ersten Mal seit Langem ist ihr klar, wie wichtig das für sie als Autorin ist. Ohne Zeit, in der die Gedanken einfach frei schweifen können, versiegt auf Dauer die kreative Quelle in ihr.

Auf dem Heimweg kauft sie sich ein neues Adventsgesteck. Inspirationskalender schön und gut – aber sie möchte sich trotzdem abends eine Kerze anzünden können. Es gibt kaum etwas Schöneres, als in eine brennende Kerzenflamme zu blicken und sich in den Träumen zu verlieren, die aus ihr aufsteigen.

Julia stellt das Gesteck auf dem Wohnzimmertisch auf und zwinkert dem Kalender an der Wand zu. “Bald”, wispert sie.

Sie schneidet Zwiebeln, bereitet eine Bolognesesoße mit frischen Kräutern zu und raspelt Parmesankäse. Der köstliche Duft erfüllt die Küche. Heute Abend hat sie Lust, im Wohnzimmer zu essen und währenddessen eine neue Folge ihrer Serie zu schauen. Die Kerze zündet sie ebenfalls an. Bologneseduft und der Hauch von Fichte und schmelzendem Wachs passen nicht zusammen, trotzdem fühlt sich Julia an diesem Abend sehr wohl.

Schließlich bringt sie das Geschirr weg und öffnet endlich das dritte Türchen.

“Wie riecht es in der Welt Deiner Geschichte?”

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Schließe die Augen und stelle Dir vor, wie es in Deiner Geschichte riecht. Dann öffne die Augen und fange mit dem Schreiben an! Du wirst überrascht sein, was für spannende innere Türen der Gedanke an die Düfte Deiner Welt Dir öffnet.

Schreibe das Ergebnis Deiner fünf Minuten gern in die Kommentare und teile es mit uns!

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem #Inspirationskalender öffnet!

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Meme-Photo by Animesh Basnet on Unsplash

Tag 4

4. INSPIRATIONSTÜRCHEN

Nach drei Tagen, in denen sie zwischendurch immer wieder geträumt und nach Inspiration gesucht hat, kommt Julia abends von der Arbeit nach Hause und hat schlechte Laune. Ihre Finger sind eiskalt. Jemand Betrunkenes hat sie zugequatscht, und obwohl sie die Schultern eingezogen hat und schnell weiterging, hat sie das Gefühl, dass die Alkoholfahne immer noch an ihr klebt.

Zu Hause bringt sie Wasser zum Kochen und macht sich eine Suppe mit Tiefkühlgemüse und Suppennudeln. Für alles andere ist sie zu erschöpft. Eigentlich muss sie auch noch etwas für den nächsten Arbeitstag vorbereiten, aber auch darauf hat sie keine Lust. Am liebsten würde sie sofort ins Bett gehen.

Erst jetzt fällt ihr wieder ein, dass noch ein Türchen ihres Inspirationskalenders auf sie wartet. Der Kalender, den die Muse ihr geschenkt hat, weil dieses seltsame ätherische Wesen offenbar der Ansicht ist, dass in Julia etwas schlummert, was Unterstützung verdient.

Ist es nicht seltsam, wie leicht wir schöne Dinge vergessen, wenn wir uns über etwas Doofes geärgert haben?

Julia geht zum Kalender und öffnet die Tür.

“Jede Geschichte beginnt mit dem ersten Wort.”

Ups …

Wenn der Kalender nicht wäre, hätte Julia sich wahrscheinlich tatsächlich einfach ins Bett gelegt. So, wie sie sich kennt, wäre morgen dann ebenfalls nichts mehr passiert, und übermorgen hätte sie jedes Gefühl für das verloren, worüber sie schreiben sollte.

Also holt sie ihren Block raus, nimmt ihren Lieblingsstift in die Hand und fängt zu schreiben an.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Schließe die Augen und lass die Welt los. All die Dinge, die du irgendwann mal darüber gelernt hast, wie man ein gutes Buch schreibt … die kommen alle von außen. Die Story, die Du wirklich schreiben willst, kommt ganz tief aus Dir. Und während Du einatmest und ausatmest, spürst Du auf einmal, womit Du anfangen willst …

Öffne die Augen. Bleibe genauso entspannt wie davor und fang an.

Schreibe das Ergebnis Deiner fünf Minuten gern in die Kommentare und teile es mit uns!

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Photo by Joanna Kosinska on Unsplash

Tag 5

6. INSPIRATIONSTÜRCHEN

 

Hör auf Deinen Bauch, hat die Muse Julia gestern befohlen. Oder vorgeschlagen. So genau kann man das nie sagen.

 

Die ganze Nacht ist Julia wieder und wieder hochgeschreckt. Ihr Bauch hat gegrummelt. Dabei hatte sie nur eine Gemüsesuppe zum Abendessen! Sie legte jedes Mal die Hände unter ihren Bauchnabel und versuchte, zu spüren, was zur Hölle dieser Körperteil ihr mitteilen wollte.

 

An diesem Arbeitstag isst sie Lebkuchen, Mandarinen und Schokolade, aber das Grummeln im Bauch wird nicht weniger. Abends braucht sie etwas Deftiges, Kartoffelbrei mit Spiegelei und einem leckeren Feld- und Möhrensalat.

 

Immer noch verfolgen sie die Worte. Warum soll sie auf ihren Bauch hören? Ihr Bauch ist falsch, das hat sie schon als kleines Mädchen gelernt. Er ist zu dick. Nicht durchtrainiert genug. Sie müsste jeden Tag Sit-ups machen, aber wer rafft sich schon auf und tut das?

 


“Mach Deine Figuren so einzigartig wie Dich”, steht im Kalender.

 

So eine gemeine Aufforderung. Wie soll das gehen?

 

An ihr ist nichts Einzigartiges. Andere haben viel bessere und erfolgreichere Bücher als sie geschrieben. Sie ist auch nicht besonders hübsch, und mit der großen Liebe hat es in ihrem Leben bisher ebenfalls nicht hingehauen.

 

Und doch …

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

 

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Schließe die Augen und lass Deine Gedanken los. Horche in Dich herein, was Dich einzigartig macht. Lass los, was Dir als Erstes in den Sinn kommt. Das ist garantiert nur Zeugs, was Dir jemand anders vor vielen Jahren eingeredet hat. Horche tiefer, in die Stelle unter deinem Herzen, ganz tief in Deinem Bauch. Irgendwo dort gibt es eine Kraft, die ganz allein Dir gehört.

 

Wie fühlt es sich an, diese Kraft zu fühlen?

 

Und wie würde die gleiche Übung sich anfühlen, wenn Deine Figur sie macht?

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem #Inspirationskalender öffnet!

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Photo by Marion Michele on Unsplash

Tag 6

6. INSPIRATIONSTÜRCHEN

Hör auf Deinen Bauch, hat die Muse Julia gestern befohlen. Oder vorgeschlagen. So genau kann man das nie sagen.

Die ganze Nacht ist Julia wieder und wieder hochgeschreckt. Ihr Bauch hat gegrummelt. Dabei hatte sie nur eine Gemüsesuppe zum Abendessen! Sie legte jedes Mal die Hände unter ihren Bauchnabel und versuchte, zu spüren, was zur Hölle dieser Körperteil ihr mitteilen wollte.

An diesem Arbeitstagisst sie Lebkuchen, Mandarinen und Schokolade, aber das Grummeln im Bauch wird nicht weniger. Abends braucht sie etwas Deftiges, Kartoffelbrei mit Spiegelei und einem leckeren Feld- und Möhrensalat.

Immer noch verfolgen sie die Worte. Warum soll sie auf ihren Bauch hören? Ihr Bauch ist falsch, das hat sie schon als kleines Mädchen gelernt. Er ist zu dick. Nicht durchtrainiert genug. Sie müsste jeden Tag Sit-ups machen, aber wer rafft sich schon auf und tut das?

“Mach Deine Figuren so einzigartig wie Dich”, steht im Kalender.

So eine gemeine Aufforderung. Wie soll das gehen?

An ihr ist nichts Einzigartiges. Andere haben viel bessere und erfolgreichere Bücher als sie geschrieben. Sie ist auch nicht besonders hübsch, und mit der großen Liebe hat es in ihrem Leben bisher ebenfalls nicht hingehauen.

Und doch …

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Schließe die Augen und lass Deine Gedanken los. Horche in Dich hinein, was Dich einzigartig macht. Lass los, was Dir als Erstes in denSinn kommt. Das ist garantiert nur Zeugs, was Dir jemand anders vor vielenJahren eingeredet hat. Horche tiefer, in die Stelle unter deinem Herzen, ganz tief in Deinem Bauch. Irgendwo dort gibt es eine Kraft, die ganz allein Dir gehört.

Wie fühlt es sich an, diese Kraft zu fühlen?

Und wie würde sich die gleiche Übung anfühlen, wenn Deine Figur sie macht?

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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Photo by Marion Michele on Unsplash


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Storywerte – Ein genialer Trick für mehr Tiefe im Roman!

 

Meine größte Leidenschaft als Autorin und Dozentin liegt darin, immer neue Wege zu erforschen, gute Geschichten in grandiose zu verwandeln. In meine Arbeit sollen stets die neusten Erkenntnisse und Methoden des professionellen Storytellings einfließen.

Ann-Kathrin Speckmann und Franziska Franken sind zwei junge Frauen, die diese Leidenschaft teilen. Nachdem sie direkt nach meinem Einstieg in die Welt der Wochenendseminare bei mir gelandet sind, haben sie bisher jeden Kurs mitgenommen. Nach intensiver Arbeit zur Methode der Storywerte (basierend auf Robert McKee) und der antagonistischen Kraft im Roman habe ich sie gebeten, ihre Erkenntnisse für diesen Blog zusammenzufassen.

Franziska schreibt:

“Was hilfreich ist, um sich das Spannungsfeld der eigenen Idee beim Schreiben klar zu machen, ist, den Hauptkonflikt zunächst in ein Gegensatzpaar herunterzubrechen. Das können gewisse “Werte” sein, die gegeneinander kämpfen, und die einem vielleicht am Anfang etwas trivial vorkommen. Eine Story kann von Glück und Unglück einer Figur handeln, von Freiheit und Gefangenschaft, von Erfolg und Misserfolg und so weiter.

Der positive und der negative Wert kämpfen miteinander, mal hat der eine die Oberhand, mal der andere. Diesen Kampf kann man sich in etwa wie eine Sinuskurve vorstellen: Um Spannung aufzubauen, müssen sich die beiden Gegensätze abwechseln.

Dabei ist es vor allem für den negativen Wert wichtig, dass er sich im Laufe der Handlung drastisch (möglicherweise bis zum Schlimmstmöglichen) verstärkt. Eine Person, die vom Unglück verfolgt ist, verpasst möglicherweise zu Beginn nur die Bahn; am Ende sinkt das Kreuzfahrtschiff, auf dem sie gerade Urlaub macht.”

 

(Franziska Franken)

Hanna schreibt:

Wenn man die Storywerte für die eigene Story herausgearbeitet hat, empfehle ich auf Grundlage der Methode von McKee, aus diesen ein grafisches Mindmap anzufertigen. Links oben steht der positive Wert, rechts unten der negative:

Als Nächstes überlegt man sich, wie der negative Storywert in abgeschwächter Form aussehen könnte, und trägt diesen Wert ebenfalls in die Grafik ein:

Laut McKee kranken viele mittelmäßige Geschichten daran, dass die Autor*innen ihre Geschichte nur bis zu diesem Punkt planen und plotten. Die wirklich guten und grandiosen Storys gehen jedoch immer noch einen Schritt weiter und stellen auch die Frage, welche Form der zu bekämpfende Negativwert in seiner krassesten Ausprägung hat.

Die Auseinandersetzung mit diesen Storywerten führt normalerweise nicht unmittelbar zu einem Plot, der sich in die Herzen der Lesenden brennt. Meist bewirkt sie als Erstes, dass man den gesamten bis dahin geplanten Plot und Konflikt noch einmal überprüft und feststellt, dass die eigene Story viel mehr Möglichkeiten hat, als man zunächst annahm.

Ann-Kathrin schreibt:

“Story-Werte sind das Allgemeingültige hinter einer Geschichte. Sie sind der Grund, warum ein Leser mitfiebert, obwohl er möglicherweise kaum eine Verbindung zur konkreten Geschichte hat. Es gibt immer einen positiven Wert, also das, was der/ die Protagonist/in glücklich macht: Liebe, Freiheit, Individualität, Nähe, Wissen oder etwas ganz anderes.Zu diesem positiven Story-Wert existiert immer ein Gegenteil. In den oben genannten Beispielen wären das vielleicht Hass, Sklaverei, Angepasstheit, Ferne und Unwissen.

Das jeweilige Gegenteil hat drei Ausprägungen: eine abgeschwächte, eine normale und eine extreme Variante.

Der Trick ist es, die passenden Story-Werte für die eigene Geschichte zu finden.

Manchmal scheinen sie ganz offensichtlich, in anderen Fällen muss man erst danach suchen und oftmals werden sie beim Plotten und Schreiben noch einmal (oder mehrfach) angepasst, verworfen und neu entdeckt.

Die finalen Story-Werte sollten in jeder einzelnen Szene auftauchen und sich in die eine oder andere Richtung verschieben.

Das heißt im ersten Akt und im ersten Wendepunkt geht es vorrangig um den abgeminderten negativen Story-Wert. Im zweiten Akt gewinnt die normale Ausprägung des negativen Story-Werts an Bedeutung, bis er sich schließlich im letzten Akt zur extremen Variante weiterentwickelt. Bei einem Happy End reißt der Autor das Ruder in letzter Sekunde rum, sodass der positive Story-Wert gewinnt.”

Ann-Kathrin Speckmann

 

Wie man sieht, kann die Arbeit mit den Werten richtig Spaß machen – und den eigenen Kreativprozess beflügeln!

Nutzt ihr auch Storywerte für eure Arbeit – oder könnt euch nach diesem Artikel vorstellen, es zu tun?

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Bildnachweis: Alle Rechte bei Hanna Aden. Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis der Abgebildeten.