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Warum unterrichte ich Storytelling?

Manchmal fürchte ich mich vor dem Feuer in mir.

Ich wette, du kennst das Gefühl. Diese Leidenschaft, die sich anfühlt, als ob sie gleich Deinen Bauch oder Dein Herz zerfetzt, wenn Du nicht endlich mit dem Schreiben beginnst. In Dir erblüht die Idee für eine Story und drängt darauf, das Licht der Welt zu erblicken. Du ahnst, dass es eine gute Story wird – wenn es Dir gelingt, einzufangen, was sie besonders macht.

Auf diesem Weg zu Deiner vollkommenen Story begegnest Du Hindernissen. Der Funke, der Dich antreibt, ist nur ein kleiner Impuls. Ohne die handwerklichen Skills zur Charaktererschaffung, zum Plotten, zur Dialoggestaltung oder allgemein im Umgang mit Sprache wird man an vielen Stellen hängen bleiben, anstatt auf den Wellen der Inspiration gen Milchstraße zu segeln. Und auf einmal kommt es Dir vor, als sei die Muse weit fort und das Feuer der Inspiration habe Dich verlassen …

Dabei ist dieses Feuer so etwas Schönes!

In meinem Leben habe ich schon die verrücktesten Dinge angestellt, um das Feuer der Inspiration in mir zu wecken. Nacktbaden im Februar und Abenteuerurlaub in der Postapokalypse gehört noch zu den harmloseren Dingen.

Liebst und fürchtest Du auch diesen Moment, in dem Du vor der Schönheit der Welt auf die Knie fallen und sie anbeten willst – in vollem Wissen, dass es Dir niemals gelingen wird, als Künstler*in auch nur ansatzweise einzufangen, wie vielschichtig und aufregend und poetisch-grausam sie tatsächlich ist?

Storytelling kann man lernen!

Als ich siebzehn war, erlebte ich den ersten heftigen Liebeskummer meines Lebens. Es war so schlimm, dass ich – wie vermutlich viele Teenager – darüber nachdachte, mein Leben zu beenden, um es meiner so schmerzlich vermissten großen Liebe so richtig zu zeigen.

Oder weil das Leben ohne ihn keinen Sinn mehr zu machen schien.

In diesem Sommer saß ich am Fluss, starrte in das Wasser und dachte darüber nach, was für einen Grund es gäbe, um weiterzuleben. So wirklich fiel mir nichts ein. Außer vielleicht ein oder zwei Geschichten, die ich noch erzählen wollte …

Hin- und hergerissen zwischen Liebe und Tod, den zwei existenziellsten Größen im menschlichen Leben, fühlte ich zum ersten Mal, was für eine Magie im Geschichtenerzählen liegt. Natürlich spielte auch ein Hauch von Drama und Pathos in meine Entscheidung für das Leben mit rein, aber die Hormone haben mich selten so grausam gequält wie an diesem Tag. Und die hinabsinkende Sonne warf ein warmes, etwas unwirkliches Licht über den Fluss und verwandelte jeden Grashalm in Schatten und Schönheit …

Der Moment verlangte nach der Wahrheit über das Leben und dem Absoluten. Und für eine Sekunde begriff ich glasklar, dass ich diese Wahrheit und das Absolute nur finden würde, wenn ich mich als Geschichtenerzählerin versuchte.

Um an dieser Stelle zu spoilern: Bisher habe ich keine dieser ein oder zwei Geschichten geschrieben, die meinem Leben einen Sinn geben sollten. Nur eine Reihe von Kurzgeschichten, Kolumnen und Slamtexten; Romane unter geschlossenem Pseudonym; gefeierte Trashnovellen für die Endzeit-Larp-Community sowie literarische und fantastische Storys,die es nicht in die Traumverlage schafften und unveröffentlicht blieben.

Aber nach bald zwanzig Jahren als Geschichtenerzählerin habe ich zumindest gelernt, wie es funktioniert.

Und ich weiß, wie man anderen den Weg zu ihrer Geschichte zeigt.

Lehrerin zu sein bedeutet, anderen den Weg zu zeigen, den man selbst noch sucht

Ich liebe das Feuer der Inspiration. Ich liebe es, wenn die Quelle in Deinem oder meinem Unterbewussten sich nach einem harten Kampf öffnet und Dinge heraussprudeln, die am Anfang noch unkontrolliert ans Tageslicht drängen. Der Moment, in dem aus Worten etwas Größeres wird, ist unbeschreiblich.

Für mich gehört es zum Menschsein, dass man Momente des Glücks, der Schönheit und der Freude mit anderen Menschen teilen sollte. Wenn es Menschen sind, die erkennen, was passiert, und Deine Freude mitfühlen, heilt und wärmt das etwas in allen Beteiligten.

Es gibte viele Chancen auf dieser Welt, die Dir und anderen Menschen Türen zum Wachstum öffnen. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Du herausfindest, welche davon Du für Deinen Weg tatsächlich brauchst und bei welchen Du nur den Träumen von anderen folgst.

Meine besondere Gabe ist es, in Dir die Storys zu erwecken, die Du wirklich erzählen willst. Es spielt keine Rolle, ob du Anfänger*in bist und vor zwanzig Jahren das letzte Mal einen Stift in der Hand gehalten hast – oder ob Du bereits Bestseller hattest und vom Schreiben leben kannst.

Das, was Du brauchst, trägst Du bereits in Dir. Meine Gabe und mein Privileg ist, dass ich den Weg dahin kenne und Dir die Tür dahin öffne – wenn Du bereit bist, mir Dein Vertrauen zu schenken und den ersten Schritt auf Deiner Reise zu wagen.

Was Dich auf dieser Reise erwartet?

Schau Dich in meinem Blog um und erfahre mehr darüber, wie ich Schreiben und Storytelling lehre!

Oder wähle direkt aus meinem Workshop-Angebot das für Dich passende Modul!

Solange Du davon träumst, Deine vollkommene Geschichte zu schreiben, bist Du jederzeit herzlich willkommen. Ich freue mich auf Dich!

Der Fluss in meiner Heimatstadt war bescheidener als dieser hier – aber fließendes Wasser gehört neben Feuer zu den schönsten Metaphern für Inspiration und nebenbei auch das Leben eines Menschen …

Melde Dich gleich heute für den Workshop Deiner Wahl an – oder nutze mein exklusives Coaching-Angebot für Deinen Roman!

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15. Inspirationstürchen

Am Samstagmorgen ist Julias erster Weg der zu ihrem Inspirationstürchen.

“Schreibe Deine schönste und größte Sehnsucht in Deine Bücher hinein.”

Sie saugt die Wangeninnenseite in den Mund und beißt darauf, bis sie Blut schmeckt. Was ist die größte und schönste Sehnsucht, die ihr einfällt?

Man hat ihr beigebracht, nicht zu viel vom Leben zu verlangen. Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis, sagt man. Geh pünktlich zur Arbeit, sei nett zu Chef und Kollegen, lach nicht zu laut und betrink dich nicht bis zu dem Punkt, an dem es dich danach verlangt, halbnackt auf dem Tisch in der Bar zu tanzen.

Nicht mal, wenn du schöne Unterwäsche trägst und der BH es durchaus verdienen würde, öffentlich zu guter Musik und ihren zumindest in der Fantasie diabolischen und schlangenhaften Bewegungen zur Schau getragen zu werden.

Julia schüttelt den Kopf. Auf diese Weise sichtbar zu werden und die Welt mit dem Feuer in ihrer Seele zu verzaubern, ist eindeutig eine verführerische Vorstellung, die sie viel zu lange in sich begraben hat. Aber eigentlich ist die Fantasie bloß einS ymbol für etwas anderes, wonach sie sich sehnt.

Sie will als Künstlerin die Regeln brechen. Das, was sich an der Oberfläche befindet, ist bei allen Menschen, bei allen Büchern irgendwie gleich. Worte, Sätze, Kapitel, eine Figur, die Hindernisse überwindet und ihr Ziel erreicht. Schöne und hässliche Momente wechseln sich ab, Menschen helfen oder werden zu Hindernissen, bis die Heldin im finalen Kampf über sich selbst hinauswächst und sich damit ihr Recht auf Glück oder Sieg verdient …

Das ist überall dasselbe, auch wenn es sich je nach Genre, Figur und Plot unterscheidet. Genau, wie alle Menschen die gleiche Art Kleidung tragen, Hosen, Oberteile, Haare innerhalb eines bestimmten Farbspektrums und je nach Anlass gesellschaftlich akzeptierter Schmuck …

Aber das ist alles nur die Oberfläche.

Julia spürt, dass sie Geschichten schreiben will, die hinter diese Oberfläche zielen und den Zauber enthüllen, der sich darunter verbirgt. Noch hat sie keine Ahnung, wie sie das anstellen will.

Aber sie spürt, dass dieses Verlangen die tiefere Wahrheit darstellt, die sich hinter ihrem ersten Sehnsuchtsbild mit dem spontanen Strip in der Bar verbarg. Julia will den Rhythmus der Musik spüren, die aus fernen Boxen ertönt und ihr Blut entzündet, und auf den Tisch steigen, um sichtbar zu werden. Dann will sie Schicht für Schicht Kleidung und Masken und Konventionen ablegen und …

Was wird dann passieren?

Julia schaudert und klappt das Türchen wieder zu.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Gestern hast Du von Deinem Erfolg als Autor*in geträumt und es hoffentlich auch in Worte gefasst. Aber wovon träumst Du noch? Was ist Deine geheime Sehnsucht, die einen Teil Deiner Einzigartigkeit ausmacht?

Stelle einen Timerauf fünf Minuten. Überschrift Deines Textes: “Meine geheime Sehnsucht”

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Sei dabei, wennJulia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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14. Inspirationstürchen

Zweifel tun weh. Vor einer Woche war Julia noch der Meinung, dass die Muse von ihr verlangt, eine ganz neue Art von Geschichte zu schreiben. Etwas, was mehr in die Tiefe geht und ganz anders wird als die Bücher, die sie bisher geschrieben hat. Wenn die Muse ihr diesen Auftrag gibt, heißt das ganz offenbar, dass sie Julia zutraut, diese Herausforderung zu bewältigen.

Aber nach dem ersten Flow, der sich so hart und gleichzeitig wunderschön anfühlte, ist nur Mist entstanden. Das, was sie gestern geschrieben hat … sie hat sich immer noch nicht getraut, es zu lesen. So hart, wie sie mit jedem Wort gerungen hat, muss es einfach daneben sein.

An diesem Abend öffnet sie das Türchen beinah verstohlen, so als würde sie etwas Verbotenes tun.

“Du trägst den Schlüssel zu etwas Großem in Dir.”

Ist das so?

Julias Herz klopft heftig. Sie holt den Block aus der Ecke, in den sie ihn gestern geworfen hat, und liest die handschriftlichen Passagen darin noch einmal durch. Fuck, die Lady hat recht! Das … das, was da steht, könnte gut werden. Zumindest ist es ein Anfang.

Ihre Müdigkeit ist weggeblasen. Sie schaltet den Laptop an und öffnet ein neues Textdokument. Wenn sie handschriftliche Textentwürfe abtippt, verbessert sie dabei immer gleich stilistische Fehler und spürt, wie ihre Geschichte allmählich Seele gewinnt. Natürlich spielt die Szene von gestern mitten im Roman, es könnte eine Schlüsselszene werden, in der sich etwas verschiebt, in der die Figur ihren besonderen Blick auf die Welt entdeckt, und natürlich wird das, was sie jetzt schreibt, in der finalen Version ganz anders aussehen. So ist es jedes Mal.

Es kümmert sie nicht. Julia ist glücklich, und mit jedem Wort, das mit dem Inspirationsstrom durch sie hindurchfließt, wächst das Glück, bis es sie so vollkommen ausfüllt, dass der Rest der Welt zu existieren aufhört.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Heute darfst du groß und verrückt träumen – und ich hoffe, es macht Dir genauso viel Spaß wie mir!

Male Dir so genau wie möglich aus, wie sich Dein Leben verändern wird, wenn Deine Geschichte als Bestseller einschlägt, in 25 Sprachen übersetzt wird und Du rund um die Welt zu irgendwelchen Lesereisen fliegen musst.

Und bitte erzähl mir in den Kommentaren davon. Ich liebe Träume, die ein bisschen zu groß und zu verrückt für diese Welt sind!

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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Photo by Tim Zänkert on Unsplash

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13. Inspirationstürchen

In dieser Nacht schläft Julia schlecht. Ihre neue Geschichte brennt in ihr. Mehr als einmal wird sie wach und spürt im Halbschlaf, dass ein Teil von ihr mit Worten ringt, Sätze umeinanderdreht und Metaphern auf so geniale Weise miteinander verwebt, dass ihr vor Dankbarkeit über so viel Schönheit Tränen die Wangen hinablaufen würden – wenn man denn während des Schlafens weinen könnte.

Am nächsten Morgenist alles fort. Sie erinnert sich nur noch an die Zweifel, die sie gestern verfolgt haben. Sie will die neue Story nicht schreiben. Die Welt ist ohne ihre Geschichten besser dran.

Den ganzen Tag erinnert sie sich daran, den Kopf aufrecht zu tragen. Sie wird keine Bücher mehr schreiben. Von jetzt an ist sie eine ganz normale Frau.

Abends räumt sie die Wohnung auf, um diesen blöden Inspirationskalender an der Wand zu ignorieren. Sie wischt sogar oben auf den Schränken Staub, wo sie sonst nie hingeht, und stellt fasziniert fest, wie schwarz sich das Staubtuch färbt.

Der Kalender verschwindet nicht. Julia stößt einen Fluch aus und öffnet das nächste Türchen.

“Du brauchst Mut, um der Stimme tief in Dir zu vertrauen.”

Julia schluckt. Sie will nicht mutig sein. Die vertrauten Gefilde reichen ihr aus, vielen Dank. Das, was sie bisher geschrieben hat, kennt sie schon, und es funktioniert. Es speist sich aus Träumen, die sich bewährt haben. Wenn sie weiter so schreibt, werden die paar Leserinnen, die sie hat, sicher wieder zufrieden sein.

Aber ob sie jemals so sehr verzaubern wird wie die Autorin ihres Lieblingsbuches?

Julia holt ihren Block und fängt zu schreiben an. Heute kümmert es sie nicht, ob das, was rauskommt, gut oder schlecht ist. Sie kämpft mit jedem Satz, teilweise sogar jedem Wort, und vergisst direkt danach wieder, was sie geschrieben hat. Es ist bestimmt schlecht. Niemand wird es lesen wollen. Aber … das Wort muss auch noch. Der Satz auch.

Schließlich steht sie auf und wirft den Block in die Ecke. Sie traut sich nicht, noch einmal draufzuschauen und alles zu überarbeiten.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Heute schreibst Du die Antwort auf die zweifelnde Stimme in Deinem Kopf, die gestern zu Wort kommen durfte. Erster Satz: “Ich habe Dich gehört, aber ich bin mutig. Ich werde …”

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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12. Inspirationstürchen

Julia ist sauer auf die Muse. Sie hat keine Lust, Geschichten zu schreiben, die ‘tief’ und ‘wahr’ sind. Was soll das überhaupt bedeuten? Das klingt schrecklich anspruchsvoll und überhaupt nicht nach etwas, was beim Schreiben Spaß macht.

Julia wollte nie hochliterarisch und so anspruchsvoll schreiben, dass man einen Doktortitel braucht, um ihre Sätze zu entschlüsseln. Außerdem hält sie nichts von Geschichten, die einen in miese Stimmung versetzen. Natürlich ist die Welt manchmal düster, hart und anstrengend, aber … Gerade dann braucht man doch Geschichten, die gute Laune machen und einem ein Stück vom Glauben an die Menschheit zurückgeben!

Warum also tief und wahr?

Nach der Arbeit geht Julia schwimmen. Der vertraute Geruch nach leicht gechlortem Wasser, das Plätschern und die fröhlichen Rufe von ein paar spielenden Kindern tun gut. Im Winter schwimmen zu gehen fühlt sich immer ein wenig verrucht an. Warme Luft auf nackter Haut, kühles Wasser und das Gefühl völliger Freiheit, wenn sie sich schwerelos durch ihr Element gleiten lässt … Draußen frieren die Menschen. Sie dagegen wird ein wenig von der Wärme in ihrem Blut behalten, wenn sie gleich zurück zum Auto geht und dann nach Hause fährt.

Wie so oft hat Julia das Gefühl, dass das von den Fliesen blaugefärbte Wasser ihr den Stress des Alltags aus allen Poren spült. Sie schwimmt langsam, wechselt vom Brustschwimmen in die Rückenlage und zurück und genießt es, gesund und am Leben zu sein. Ihr wird klar, dass niemand sie zwingt, diese neue Art von Geschichten zu schreiben. Ganz egal, wie es mit ihrer Karriere als Autorin weitergeht – ihr Leben ist auch ohne Bestseller ein gutes Leben.

Zu Hause öffnet sie das nächste Türchen im Inspirationskalender.

“Manchmal spürst Du einen Ruf, der nur für Dich bestimmt ist.”

Julia zuckt mit den Schultern und schüttelt den Kopf. Kann ja sein, dass es Leute gibt, die so einen Ruf hören. Aber manchmal ist er auch Blödsinn. Heute Abend wird sie jedenfalls nicht schreiben. Zumindest nichts für diese blöde Geschichte, die die Muse von ihr fordert.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Dieses  Mal geht es darum, der inneren Stimme, die ständig am Wert der eigenen Texte zweifelt, das Wort zu erteilen. Auch damit öffnet man manchmal neue Türen der Inspiration.

Überschrift: “Warum die zweifelnde Stimme in meinem Kopf manchmal recht hat.”

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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11. Inspirationstürchen

Heute muss Julia während der Arbeit die ganze Zeit an ihr Lieblingsbuch denken. Sie wiederholt einzelne Sätze, mit denen die Autorin leise und unaufdringlich Schönheit erschuf, die beim Lesen unter die Haut ging. Worte, die nachhallen und zeigen, was möglich ist, wenn …

Was müsste passieren, damit sie ebenfalls so schreiben kann?

Vermutlich ist es unmöglich. Das, was den Zauber dieser Lieblingsgeschichte ausmacht, speist sich aus einer Quelle tief im Innern der bewunderten Autorin. Dieser mitunter aufblitzende leise Spott, diese Zartheit und Genauigkeit im Beobachten von Menschen, Konflikten und der Art, wie Leute miteinander umgehen … Dieses stolze Selbstbewusstsein, mit dem Metaphern und Sprachbilder genau dann eingesetzt werden, wenn sie die größtmögliche Wirkung erzielen, während die Sprache an anderen Stellen angenehm zurückhaltend bleibt und den Figuren Raum lässt, ihre Geschichte zu erleben …

Selbst, wenn es Julia gelänge, ähnlich nuanciert, leise und kraftvoll zu schreiben, würden sich ihre Texte ganz anders lesen. Sie ist schließlich ein anderer Mensch als das Vorbild.

Wie verlockend es wäre, stattdessen Motive und Plotfäden aus dem bewunderten Werk zu ‘stibitzen’und auf diese Weise etwas von der fremden Größe zur eigenen zu machen!

Doch Julia ahnt, dass es auf diese Weise nicht funktionieren kann. Das, was das Lieblingsbuch zu einem Lieblingsbuch macht, ist dieser einzigartige Blick auf die Welt, der sich darin spiegelt.

Zu Hause steht sie vor dem magischen Adventskalender und zögert.

“Je tiefer und wahrer Deine Geschichte wird, desto verletzlicher wirst Du. Vertraue.”

Julia schluckt. Eswäre schön gewesen, eine Antwort zu bekommen, die Ruhe und Entspannung bedeutet. Das, was aus ihr selbst kommt, ist niemals gut genug. Sie hat ihr ganzes Leben lang gelernt, sich anzupassen und der Welt das Gesicht zu zeigen, das man von ihr erwartet.

Wen interessiert denn überhaupt die tiefe Wahrheit, die sich in ihr verbirgt? Die ist garantiert nicht so spannend und aufregend wie das, was die Autorin des Lieblingsbuches geschrieben hat.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Wahrheit – so ein seltsames Wort. Geschichten sind doch ausgedacht. Oder nicht?

Überschrift: “Die tiefe Wahrheit in meiner Geschichte ist, dass …”

Vor welcher Wahrheit hast Du Angst, obwohl Du sie für Deine Geschichte brauchst?

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9. Inspirationstürchen – Magischer Besuch

Am Sonntagmorgen erwacht Julia mit einem leichten Kater. Ihr Kopf und ihr Magen machen nachdrücklicher als sonst darauf aufmerksam, dass sie existieren. Sie ist sich nicht mehr sicher, wie viele Glühwein sie hatte.

Noch im Bett greift sie nach dem Handy und schickt ihrer Freundin eine Nachricht, um sich für den tollen Abend zu bedanken. Fast zeitgleich kommt eine ähnliche Nachricht bei ihr an. Offenbar kamen sie gleichzeitig auf diese Idee. Ist das nicht schön?

Zum Frühstück gibt es heute Bauernbrot mit Rührei und Baked Beans. Das hilft gegen Kater. Zumindest manchmal.

Julia blickt aus dem Fenster, wo sich die kahlen Äste eines Baums hin und her wiegen. Draußen ist es windig. Früher, als sie noch ein Mädchen war, hat sie oft davon geträumt, dass der Wind ihr Geschichten erzählt und ihre Träume hinaus in die Welt trägt.

“Wovon willst du schreiben?”, flüstert ihr eine silbrige Stimme ins Ohr.

Julia schaut weiter aus dem Fenster und zwingt sich, normal weiterzuatmen. Wenn die Muse zu Dir kommt, darfst Du sie nicht erschrecken, sonst ist sie sofort wieder weg. Stattdessen schau auf das, was Du schön findest, und erlaube ihr, diese Freude zu teilen.

Die ehrliche Antwort wäre, dass Julia noch nicht weiß, wovon sie schreiben will, aber sie hat das Gefühl, dass sie es sich mit dieser Antwort zu leicht macht.

Die Stille im Raum lädt sich mit elektrischer Energie auf. Die Haare auf Julias Unterarmen stellen sich auf.

“Schreib!”, wispert die Muse so nachdrücklich, dass es sich wie ein Schlag anfühlt. “Sonst töte ich dich!”

Oder hat sie gesagt “Sonst verlasse ich dich”?

Julia blickt sich um. Natürlich ist niemand da. Bestimmt hat sie sich das alles nur eingebildet.

Was für böse Worte ihre Fantasie sich da zusammengereimt hat. Natürlich würde die Muse so etwas nie sagen. Inspiration ist etwas Gutes, das weiß jeder.

Sie geht ins Wohnzimmer und öffnet das nächste Türchen.

“Erzähl der Welt Deine Geschichte!”

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Freiwillige #Flowschreibübung für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Der Schreibauftrag lautet: “Warum ich der Welt etwas zu sagen habe.”

Schreibe das Ergebnis Deiner fünf Minuten gern in die Kommentare und teile es mit uns!

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7. Inspirationstürchen


Als Julia um kurz vor sieben von der Arbeit heimkommt, ist sie erschöpft. Sie verbirgt ein Gähnen hinter dem Handrücken, obwohl niemand zusieht, und geht in die Küche. Eigentlich hat sie keine Lust zum Kochen. Eigentlich will sie sich nur in die Badewanne legen, Duftbad einfließen lassen und die ganze hektische und laute Welt da draußen eine Zeitlang vergessen.

Heute auf der Arbeit hat ihre Kollegin gesagt, dass Julia zu dick ist. Also, eigentlich hat die Kollegin nur gesagt, dass sie sich wundert, dass Julia zu den Fertigbrötchen vom Bäcker, die sie morgens meistens kauft, im Büro trotzdem noch Lebkuchen verdrückt. Ob Julia keine Angst hätte, irgendwann wie ein Hefekloß aufzugehen.”Nur, weil du jetzt Bücher schreibst, heißt das nicht, dass dich auf einmal alle toll finden.”

Julia hat abgewinkt und eine humorvolle Bemerkung gemacht, aber die Worte haben getroffen. Sie haben richtig übel wehgetan. Auf dem Heimweg hat sie sich einen Fertigsalat und eine Piccoloflasche Sekt gekauft und die Leckereien auf dem nahen Weihnachtsmarkt ignoriert. Wie allein sie sich heute fühlt!

Sie stellt den Salat, den Sekt und ein Sektglas neben der Badewanne ab und lässt warmes Wasser in die Wanne laufen. Fick dich, Welt, will sie rufen und irgendetwas zerschlagen.

Stattdessen geht sie ins Wohnzimmer und öffnet das Inspirationstürchen. Wehe, wenn da jetzt auch etwas drin ist, was sie runterzieht!

“Wenn Du zweifelst, hör auf die Menschen, die an Dich glauben.”

Peng. Das sitzt.

Warum hat sie dieWorte der bösen Kollegin eigentlich so nah an sich rangelassen? Weil sie immer noch das Gefühl hat, dass sie sich von anderen Menschen die Erlaubnis holen muss, das zu tun, was sie wirklich will?

Sie nimmt das Telefon mit ins Bad, auch wenn man das nicht tun soll, und ruft ihre beste Freundin an. Die hebt sofort ab. Ihre Stimme zeigt klar, wie sehr sie sich über Julias Anruf freut. Kurzerhand verabreden sich die beiden Frauen zu einem gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuch am nächsten Tag, um sich mit gebrannten Mandeln, Crêpes, Zuckerwatte und Glühwein vollzustopfen.

Als sie auflegt, ist Julias schlechte Laune wie weggeblasen. Sie schiebt das Telefon an einen wassersicheren Ort und lässt sich in ihr herrliches, wohlriechendes Schaumbad sinken.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timerauf fünf Minuten. Schließe die Augen und stelle Dir vor, wie Du all die Energievampire in Deinem Leben mit einem wütenden “Hinaus!” aus Deinem Zuhause wirfst. Stattdessen lädst Du die Menschen ein, die an Dich glauben, die Dir Kraft geben und Dich durch tatkräftige Hilfe oder ihr Vorbildsein voranbringen.

Öffne die Augen und schreibe die Leute auf, die Dir für Dein Schreiben Energie geben. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, sich darüber zu freuen, dass es sie gibt?

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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#Adventskalender #Weihnachtsduft #Inspiration #Autorenleben #Schreibtipps #KreativesSchreiben

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Die Gewinnerin des SternStoryStipendiums 2019

Ich freue mich, an dieser Stelle die Gewinnerin des diesjährigen SternStoryStipendiums bekanntzugeben. Heike Michaelsen setzte sich sehr knapp neben einigen weiteren sehr überzeugenden Einsendungen durch. Ihr Projekt handelt von einem Kind und einer Familie, in der mit dem Tod eines Geschwisterkindes umgegangen werden muss – etwas, was eigentlich unmöglich scheint und doch irgendwie gemeistert werden muss. Mich beeindruckte besonders die Nuanciertheit und Unmittelbarkeit ihrer Sprache.

Vita

Heike Michaelsen wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren, studierte in Göttingen und lebt jetzt in Fulda. Sie ist Sucht-Sozialtherapeutin und Systemische Beraterin und arbeitet freiberuflich als Referentin im psychosozialen Bereich, u.a. in der Kinder-und Jugendhospizarbeit, bei der Telefonseelsorge und in der Kindertagespflege. Die Leidenschaft für das Schreiben entdeckte sie erst spät und sah darin zunächst auch nur ein Hobby. Eine Kurzgeschichte von ihr wurde bereits veröffentlicht – nun will sie sich mit Unterstützung von SternStoryStunden an ein Romanprojekt wagen …

Sie schreibt:

Ich freue mich riesig auf den Austausch mit schreibbegeisterten Menschen, die – genau wie ich – ihr Projekt voranbringen wollen. Neben Handwerkszeug erhoffe ich mir vor allem gegenseitige Unterstützung und Ermutigung, aber auch konstruktive Kritik, um mich weiterentwickeln zu können. Ich freue mich auf lebendige, intensive und kreative Lernprozesse – und dazu möchte ich beitragen! Das SternStoryStipendium bedeutet für mich die große Chance, dass mein „Baby nun doch geboren werden kann“: ein wunderschönes Gefühl …

 

Auf eine gute und inspirierende Zusammenarbeit!

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Bildnachweis:
Titelbild: privat
Füller: Debby Hudson on Unsplash
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Trick Siebzehn: In 5 Minuten zum fesselnden Romancharakter!

Die Enthüllung der wahren Stärke

Eine gute Romanfigur enthüllt im Lauf der Handlung Facetten ihrer Persönlichkeit, die über das hinausgehen, was am Anfang verraten wird. Wie aber kriegt man es als Autor*in hin, eine solche mehrdimensionale Figur zu entwickeln?

Ein ebenso einfacher wie genialer Trick sieht so aus:

Stellt euch vor, ihr seid eine gute Fee und habt die Möglichkeit, der Figur etwas mitzugeben. Das kann ein Brief sein, oder ein paar Worte, die ihr dem Romancharakter morgens in den Minuten vor dem Aufwachen zuflüstert. Als gute Fee befehlt ihr natürlich nicht, sondern gebt eurer Figur einen guten Wunsch mit.

Wichtig dabei ist, dass der Brief oder euer kleiner Podcast an das Unterbewusstsein der Figur folgende Form hat:

Liebe*r (hier Name einfügen), ich wünsche dir, dass du deine wahre Stärke erkennst. Hinter XYZ bist du in Wahrheit ganz anders, nämlich …

Fortgeschrittene stellen sich für diese Schreibübung die Eieruhr, holen tief Luft und schreiben in fünf Minuten alles runter, was in der kurzen Zeit aus ihnen herausbricht. Die Ergebnisse sind oft überraschend und bergen immer einen Schlüssel für eine spannende Geschichte.

Textbeispiele gefällig?

Mit der Erlaubnis der Autorinnen veröffentliche ich hier einige Beispiele aus dem vergangenen Workshop zur Figurgestaltung, die zeigen, was für intensive Möglichkeiten zur Figurweiterentwicklung diese Übung mit sich bringt. Keine langwierigen Brainstormings, Mindmaps, Hintergrundanalysen oder Familienaufstellungen … einfach nur fünf Minuten Flow-Schreiben.

 

Liebe Clarissa,
ich wünsche Dir, dass Du Deine verborgene Stärke erkennst. Hinter Deinem Make-up, Deiner schicken Kleidung und Deinem Perfektionismus, kurz hinter Deiner Unsicherheit, bist Du ein loyaler und liebeswerter Mensch mit vielen Talenten und mit genug Mut, um sie der Welt zu zeigen.

Ann-Kathrin Speckmann

Liebe Pia,
ich wünsche dir, dass du eine verborgene Stärke erkennst. Du denkst, du bist besser dran, wenn du dich raushälst. Du hast Angst, aufzufallen, weil du erlebt hast, dass du dann geärgert wirst. Aber ich wünsche dir, dass du jemanden kennen lernst, der dich sieht und für den du dich gerne einsetzt.

Anne Becker

Lieber Andreas,
ich wünsche dir, dass du deine verborgene Stärke erkennst. Hinter dieser gelangweilten, unsensiblen und überheblichen Art, die du manchmal hast, bist du nämlich ein sehr mutiger und gerechter Mensch, der gegen Ungerechtigkeiten einsteht, der sich traut, den Mund aufzumachen, ohne sich viel aus den Konsequenzen zu machen, und einen unerschütterlichen Stolz besitzt.

Franziska Franken

Lust bekommen, es auch zu probieren? Nur zu!

Ich freue mich über Erfahrungsberichte mit dieser Fünf-Minuten-Übung oder eure Textbeispiele in den Kommentaren.

Best wishes

Hanna

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