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Romanstruktur finden

19. INSPIRATIONSTÜRCHEN

Als Julia an diesemAbend nach Hause kommt, überfliegt sie das bisherige Dokument ihrer neuen Geschichte. Sie hat bereits einige kleine Passagen geschrieben, die für sich genommen interessant sind, aber dazwischen klaffen riesige Lücken. Noch passen weder die Erzählstimme noch die Handlung richtig zusammen. Bisher stehen da vor allem Fragmente, die Ecksteine oder Wendepunkte der Handlung werden können oder in denen sie ein Gespür für ihre Figur zu finden hoffte.

“Struktur hilft dabei, das zu erforschen, für das es keine Worte gibt”, rät der Inspirationskalender ihr an diesem Abend.

Ein dezenter Hinweis, dass sie sich allmählich darum bemühen sollte, ihrem Plot etwas mehr Struktur zu geben?

Julia holt ihren A3-Block hinter dem Regal hervor und skizziert ein Koordinatensystem, in das sie die bisherigen Eckpunkte einträgt. Hat einer davon das Zeug, der erste oder zweite Wendepunkt zu werden? Was ist der Höhepunkt der Story, wie kann sie die Plotpoints darauf abstimmen, dass jeder einzelne davon ein kleinerer Point of no Return wird, an dem ihre Heldin ein weiteres Stück ihres alten Lebens zurücklässt?

Die erste Entwurfsfassung gefällt ihr noch nicht.

Julia beginnt eine neue Skizze. “Wahrheit”, schreibt sie in die Mitte und umkringelt es fett. Wahrheit ist das, was die Heldin am Ende brauchen wird, um ihren Sieg einzufahren. Das bedeutet, dass es auf der Gegenseite auch um Lügen gehen muss.

Für Julia heißt das wohl, dass sie mehr darüber recherchieren muss, was Wahrheit und Lüge für sie selbst bedeuten. Nur dann kann sie ein glaubhaftes Auf und Ab zwischen beiden Werten entwickeln, das am Ende auch ihre Leser*innen in den Bann ziehen wird.

Je länger sie darüber nachdenkt, desto mehr Eckdaten und Strukturpunkte für ihre Story fallen ihr ein. Fast kommt es ihr vor, als sei die Muse wieder im Raum, doch sie blickt nicht hoch, um das scheue Geistwesen nicht zu verscheuchen.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Schreibe auf, wie sich die erste und die letzte Szene deiner Traumstory anfühlen und voneinander unterscheiden.

Teile das Ergebnis gern als Kommentar!

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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Photo by Phil Botha on Unsplash

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