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7. Inspirationstürchen


Als Julia um kurz vor sieben von der Arbeit heimkommt, ist sie erschöpft. Sie verbirgt ein Gähnen hinter dem Handrücken, obwohl niemand zusieht, und geht in die Küche. Eigentlich hat sie keine Lust zum Kochen. Eigentlich will sie sich nur in die Badewanne legen, Duftbad einfließen lassen und die ganze hektische und laute Welt da draußen eine Zeitlang vergessen.

Heute auf der Arbeit hat ihre Kollegin gesagt, dass Julia zu dick ist. Also, eigentlich hat die Kollegin nur gesagt, dass sie sich wundert, dass Julia zu den Fertigbrötchen vom Bäcker, die sie morgens meistens kauft, im Büro trotzdem noch Lebkuchen verdrückt. Ob Julia keine Angst hätte, irgendwann wie ein Hefekloß aufzugehen.”Nur, weil du jetzt Bücher schreibst, heißt das nicht, dass dich auf einmal alle toll finden.”

Julia hat abgewinkt und eine humorvolle Bemerkung gemacht, aber die Worte haben getroffen. Sie haben richtig übel wehgetan. Auf dem Heimweg hat sie sich einen Fertigsalat und eine Piccoloflasche Sekt gekauft und die Leckereien auf dem nahen Weihnachtsmarkt ignoriert. Wie allein sie sich heute fühlt!

Sie stellt den Salat, den Sekt und ein Sektglas neben der Badewanne ab und lässt warmes Wasser in die Wanne laufen. Fick dich, Welt, will sie rufen und irgendetwas zerschlagen.

Stattdessen geht sie ins Wohnzimmer und öffnet das Inspirationstürchen. Wehe, wenn da jetzt auch etwas drin ist, was sie runterzieht!

“Wenn Du zweifelst, hör auf die Menschen, die an Dich glauben.”

Peng. Das sitzt.

Warum hat sie dieWorte der bösen Kollegin eigentlich so nah an sich rangelassen? Weil sie immer noch das Gefühl hat, dass sie sich von anderen Menschen die Erlaubnis holen muss, das zu tun, was sie wirklich will?

Sie nimmt das Telefon mit ins Bad, auch wenn man das nicht tun soll, und ruft ihre beste Freundin an. Die hebt sofort ab. Ihre Stimme zeigt klar, wie sehr sie sich über Julias Anruf freut. Kurzerhand verabreden sich die beiden Frauen zu einem gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuch am nächsten Tag, um sich mit gebrannten Mandeln, Crêpes, Zuckerwatte und Glühwein vollzustopfen.

Als sie auflegt, ist Julias schlechte Laune wie weggeblasen. Sie schiebt das Telefon an einen wassersicheren Ort und lässt sich in ihr herrliches, wohlriechendes Schaumbad sinken.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timerauf fünf Minuten. Schließe die Augen und stelle Dir vor, wie Du all die Energievampire in Deinem Leben mit einem wütenden “Hinaus!” aus Deinem Zuhause wirfst. Stattdessen lädst Du die Menschen ein, die an Dich glauben, die Dir Kraft geben und Dich durch tatkräftige Hilfe oder ihr Vorbildsein voranbringen.

Öffne die Augen und schreibe die Leute auf, die Dir für Dein Schreiben Energie geben. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, sich darüber zu freuen, dass es sie gibt?

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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Photo by Dominik Vanyi on Unsplash

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